AusArbeiten – LosLassen – Wie gut aufhören – Offboarding

Wie gut aufhören, um gut weitermachen zu können?
Offboarding in Unternehmen – eine Gestaltungsaufgabe

Wir sind umgeben von Anfängen und Enden. Gerade eben haben wir das alte Jahr verabschiedet und das neue begrüßt. Kindergartenzeit, Schule, Berufsausbildung, Studium haben wir begonnen und zu Ende gebracht. Wir haben Freundschaften geknüpft, sind Beziehungen eingegangen, haben Ehen geschlossen, haben Trennungen und Abschiede erlebt. Eigentlich müssten wir alle geübt sein mit dem Anfangen und dem Beenden.

„Jedem Anfang liegt ein Zauber inne“, wie es Hermann Hesse sagte. Das Anfangen ist uns daher wohl trotz all dem Unbekannten und Ungewissen und den Möglichkeiten des Scheiterns die darin liegen, durch diesen Zauber leichter und macht uns neugierig auf das Neue. Wir sind geübt, ihn durch eine Fülle von Ritualen zu gestalten. Die Taufe, , die Einschulungsfeier, Gottesdienst zum Schuljahresbeginn, die Kommunion und Konfirmation, die die Trauung, die Einsegnung und Ordinierung, die Neujahrsfeier sind Formen, die uns dabei helfen in all dem Neuen was auf uns zukommt, Zuversicht und Sicherheit zu finden.

Auch in den Unternehmen wird Manches für den guten Anfang getan: „Onboarding – an Bord bringen“, so der neue Begriff für die Aktivitäten rund um den Start neuer Mitarbeitender. Einarbeitungsprogramme mit umfangreichen Checklisten, was wann und wie dem neuen Mitarbeitenden vermittelt werden soll, Einführungstage, um das Unternehmen vorzustellen, seine Kultur und Werte transparent zu machen, Begleitung durch erfahrene Kollegen im Rahmen von Mentoring oder Patenschaften, Traineeprogramme mit einem gut geschnürten Maßnahmenbündel, Vieles wird getan, damit die Neuen sich wohlfühlen, Orientierung haben und möglichst rasch und gut ihre Rollen ausfüllen und ihre Aufgaben bewältigen.

„Mit dem Ende und dem Beenden tun wir uns schwerer. „Jedes zu Bett gehen und Einschlafen ist“ wie Arthur Schopenhauer es formulierte, „ein kleiner Tod“. Das was war war, und entzieht sich dem Gestalten. Mit dem Überreichen des Abiturzeugnisses ist die Schulzeit unwiederbringlich zu Ende. Die vier in Mathematik ist nicht mehr veränderbar. Was wir in der Zukunft daraus machen ist offen. Die gescheiterte Ehe und das vergebliche Bemühen um sie kann nur innerlich und äußerlich angenommen werden. Mit den Ritualen dafür tun wir uns schwerer. Selten finden wir dafür Formen, die neben der Trauer auch das Leichte und Heitere spiegeln, das Erleichtertsein, dass etwas abgeschlossen werden konnte, man sich nicht mehr damit beschweren muss, Neues wartet. Der Kindergartenrausschmiss, bei dem die künftigen Schulkinder unter Beifall und Lachen aus dem Kindergarten auf die Weichbodenmatte geworfen werden, das Hütewerfen bei den Bachelorfeiern haben etwas von dieser anderen Qualität. Vielleicht weil es wie Schopenhauer sagte immer auch ein Stück auch Vorwegnahme, Erfahrung des Todes ist, der in all diesen kleinen Sequenzen unseres Alltags und Lebens stecken, tun wir uns schwerer damit. Auch wenn wir es wissen, dass es sinnvoll ist die Zeit zu nutzen und uns auf das Ende einzustellen, vermeiden wir es in der Regel lieber. Vorsorge zu treffen, Regelungen zu finden, Vollmachten zu erteilen, Nachfolge zu planen – vom Kopf her alles klar und richtig.
Doch in der Auseinandersetzung damit nehmen wir gedanklich und emotional eben auch das Ende in den Fokus. Dazu braucht es den klaren Kopf, den Mut und Verantwortungsbewusstsein für das was danach kommt, für eine Zukunft, in der ich selbst kaum oder keine Rolle spiele.

 

Wie sieht es in den Unternehmen mit dem Beenden und den Abschieden aus?
Die demografische Entwicklung hin zu einer alternden Gesellschaft und damit zu alternden Belegschaften ist keine Neuigkeit mehr. In den nächsten … werden in deutschen Unternehmen … aussteigen. In der Caritas werden es in … Jahren … sein, die aus Altersgründen ihren Dienst beenden werden. Die Fluktuationsrate liegt bei … % und schließt auch diejenigen mit ein, die das Unternehmen aus anderen Gründen verlassen. Auch diese Trennungen sind gerade in Zeiten des Fachkräftemangels nicht einfach nur hinzunehmen. In der Art und Weise wie sie gestaltet werden, liegen Chancen und Risiken für das Unternehmen. Wer ohne Anerkennung, im Konflikt geht, macht keine gute Werbung für das Unternehmen. Etwas was man sich kaum leisten kann.

Anders als beim „Onboarding“ bei dem die hohen Aufwendungen für die Suche von Personal den Druck erhöhen, dass die Integration des neuen Mitarbeitenden gelingt und damit für das Unternehmen viele Gründe vorliegen, den Prozess professionell zu gestalten, sieht es bei der Beendigung von Arbeitsverhältnissen anders aus.
Dabei spielen die Gründe für die Beendigung eine nicht unerhebliche Rolle für die Gestaltung des „Offboardings“. Kündigungen bei denen Konflikte vorausgegangen sind, werden stärker unter dem Blickwinkel gestaltet, die Modalitäten der Beendigung gut zu gestalten. Eine Begleitung des Mitarbeitenden wird in der Regel davon geprägt sein, die Formalitäten korrekt zu einem guten Abschluss zu bringen. Anders sieht es bei betriebsbedingten Kündigungen aus. Hier werden von den Unternehmen einige Anstrengungen unternommen den Ausstiegsprozess für den Mitarbeitenden gut zu gestalten, ihn bei einer neuen beruflichen Orientierung zu unterstützen, ihn zu vermitteln, aber ihn auch bei einer positiven Bearbeitung der emotionalen Auswirkungen der Kündigung nicht im Regen stehen zu lassen. Die Outplacement-Beratung des scheidenden Mitarbeitenden durch einen externen Coach hat sich hier als Maßnahme der Unternehmen etabliert. Der Nutzen für das Unternehmen liegt darin, dass das durch die Erfordernisse einer betriebsbedingte Kündigung angeschlagene Image, durch das Angebot der professionellen Unterstützung wieder positiv gestaltet wird.

Eine erkennbare und gerade für werteorientierte Unternehmen wie der Caritas und Diakonie nicht hinnehmbare Lücke ist der Umgang, das Offboarding von langjährigen Mitarbeitenden bei Beendigung zum Teil nach vielen Berufsjahren.

Gerade die persönliche Identifikation der Mitarbeitenden in kirchlich-sozialen Arbeitsfeldern, ihr hohes Engagement und der große Teil an Lebenszeit den sie zugunsten des Unternehmens eingebracht haben und der damit verbundene existentielle Stellenwert, den die Arbeit für diese Mitarbeitenden hat, birgt erhebliche Folgen für die Personen. Die Beispiele von Mitarbeitenden, die nach Ende ihres Arbeitsverhältnisses in persönliche Lebenskrisen und Krankheiten gestürzt sind, darunter nicht selten auch Vorstände und GF, Leistungsträger.  

Übergange im Lebenslauf brauchen „zum einen Dimensionen der institutionellen Regulierung“ wie es Andreas Walther und Barbara Stauber in ihrem Artikel „Übergänge im Lebenslauf beschreiben und gleichzeitig der individuellen biografischen Bewältigung bzw. Gestaltung“, um die damit einhergehende Unsicherheit und Ungewissheit zu reduzieren. Professionelle Begleitung kann dem Mitarbeitenden helfen, das Ende dieser Arbeits- und Lebensphase gut zu gestalten, sich zu entscheiden was noch abgeschlossen und erreicht werden kann und soll, welche Erkenntnisse daraus zu ziehen sind, aber auch was im Blick auf die Übergabe geklärt, geregelt, getan werden soll. Dabei ist die Unterstützung bei der Entwicklung eines neuen Rollen- und Selbstbilds „Wer will ich in meiner neuen Lebensphase nach Ende meiner Berufstätigkeit sein?“ und das Bewusstmachen der eigenen Ressourcen von zentraler Bedeutung.

Gleichzeitig wird auch von den Unternehmen unterschätzt, wie sehr der Abschied und die Trennung von Mitarbeitenden gerade von langjährigen, eine wesentliche Lücke aufmacht. Oftmals wird diese erst bemerkt, wenn Mitarbeitende das Unternehmen verlassen hat und die Folgen spürbar sind. Die Auswirkungen auf die Prozesse, die nicht oder nicht ausreichend in der Übergabe bedacht wurden, die Verunsicherung der verbliebenen Mitarbeitenden wer kommt, was zukünftig gelten soll, welche Aufgaben nun neu zu regeln sind, haben Folgen für die Leistung, die Arbeitszufriedenheit und das Image des Arbeitsgebers.
Im Gestalten des Endes gibt es auch für den Gehenden selbst wie für die Unternehmen selbst noch viel zu tun, damit die Zukunft für beide Seiten – Mitarbeitende wie Unternehmen – gut werden kann.

 

Das Angebot der Caritas-Akademie „Loslassen“….