Mit Design Thinking Lösungen für soziale Herausforderungen entwickeln

Eine kleine Geschichte soll verdeutlichen weshalb es bei der Lösung sozialer Herausforderungen ein anderes Denken und neue Herangehensweisen braucht.

Herr K. lebt seit fünf Jahren in einem Wohnheim für Menschen mit Behinderung und arbeitet in der Elektromontage-Abteilung der Werkstatt. Seine besondere Freude und Leidenschaft gilt Autos jeglicher Art. Er ist glücklich, wenn er über den Lack eines Autos streichen kann. Vor seiner Wohnung fahren täglich zahlreiche Autos vorbei, die er im Vorbeifahren zu berühren versucht. Dass es dabei noch nicht zu einem Unfall gekommen ist, liegt an den Menschen, die Herrn K. kennen und ihn immer wieder davor bewahrt haben, dass ihm etwas zustößt. Das ist nicht immer einfach und bereitet allen zunehmend Sorgen und führt immer mehr zu Frustration. Es gab bereits viele Ideen und Lösungsversuche wie es gelingen kann, dass Herr K. nicht in eine für ihn gefährliche Situation gerät. Von Ablenken, über andere Wege fernab der Verkehrsstraßen mit ihm gehen, über Festhalten, mit ihm reden, wurde vieles unternommen. Das Problem selbst konnte jedoch nicht behoben werden.

Dieses kleine Beispiel ist stellvertretend für viele andere soziale Herausforderungen vor denen wir als Gesellschaft, als soziale Unternehmen, als Mitarbeiter*innen stehen. Auch im Umgang mit unbegleiteten minderjährigen Geflüchteten gibt es jene, bei denen die angebotenen Lösungen nicht greifen, bei denen Mitarbeiter*innen und Einrichtungen an Grenzen stoßen und es nicht gelingen will für den jungen Menschen förderliche Bedingungen herzustellen. Es bleibt Frust und Resignation und oftmals nur noch die Option, den jungen geflüchteten Menschen in eine ungewisse Situation zu entlassen.

Die Geschichte des Herrn K. endete nicht an diesem Punkt. Deshalb ist es wert, sie zu Ende zu erzählen. Die Lösung ist so einfach wie genial. Gemeinsam mit den anderen Anwohnern der Straße, in der Herr K. lebt wurde durch eine Unterschriftensammlung eine Spielstraße gefordert. Behinderte Menschen wie Herr K.; ältere Menschen, die nicht mehr gut zu Fuß sind; Kinder, die dort spielen; alle profitieren von der Lösung, keiner wird ausgegrenzt – Inklusion im besten Sinne.

Im Beispiel dieser Geschichte hat es keinen moderierten Design Thinking Prozess gebraucht. Dennoch kann sie aufzeigen weshalb es anderes Denken, ein an den Bedürfnissen der Menschen ansetzenden, kreativen Prozess braucht um zu guten Lösungen für soziale Herausforderungen zu kommen. Das Design Thinking ist ein solcher Problemlösungsansatz mit dessen Hilfe kreative Ideen generiert werden können. Wir haben damit gemeinsam mit unseren Kunden erfolgreich u.a. Lösungen für neue Angebote und Aufbaustrukturen entwickelt.

2. Was ist Design Thinking?
David Kelley, Professor an der Stanford Universität gilt als Namensgeber und Wegbereiter des Design Thinking. Er ist Mitbegründer des Hasso-Plattner-Institut of Design an dem heute Design Thinking gelehrt wird. Der Ansatz beschreibt eine Denk- und Herangehensweise an Probleme, bei der ein bewusstes und zielgerichtetes Erarbeiten von Lösungen und Innovationen im Vordergrund steht. Im Zentrum steht dabei der Nutzer und seine Bedürfnisse. Diese Bedürfnisse schon von Anfang an zu erkennen und mit verschiedenen Lösungsansätzen und Prototypen zu experimentieren, kennzeichnet das Design Thinking.
Mittlerweile hat das Design Thinking Einzug in vielen Unternehmen Einzug gehalten und wird zunehmend als etablierte Methode für komplexe Innovationsprozesse von technischen bis zu sozialen Herausforderungen genutzt.
Im Folgenden soll beschrieben werden ob und wie ein Design Thinking Prozess Innovationen und Lösungen für soziale Herausforderungen aussehen kann.
Grundlegende Prinzipien des Design Thinkings sind:
1. Anstelle der Arbeit mit den „reinen Experten“ wird hier explizit in einem interdisziplinären Team gearbeitet. Dadurch werden verschiedene Sichtweisen, Interpretationen, Strategien und Fachwissen für die Lösungsfindung genutzt und die „Systemblindheit“ aufgebrochen.

2. Der Nutzer steht konsequent im Zentrum des Design Thinking Prozesses. Dafür ist Empathie eine der entscheidenden Voraussetzungen um Lösungen zu finden. Das Einfühlungsvermögen in den Nutzer wie in unserem Ausgangsbeispiel Herr K. bringt neues Verständnis über seine Probleme und Bedürfnisse und daraus neue Lösungsansätze.

In der methodischen Vorgehensweise kann es die Erarbeitung einer Empathie-Map sein. Hier stellt sich das Design-Thinking Team die Frage:
Was sieht, Herr K., hört, denkt, fühlt Herr K. in diesen Situationen, die in der Anfangsgeschichte beschrieben wurden?

3. Erst wenn das Design-Thinking-Team durch die Erarbeitung der Empathy Map die Perspektive Herrn K.‘s eingenommen hat, geht es weiter.
Was sind seine konkreten Bedürfnisse (Need finding)?

4. Im Dialog werden jetzt Lösungen gesucht und sofort in Prototypen umgesetzt. Fehler machen anstelle perfekter Lösungen zu suchen ist ein wesentlicher Bestandteil des Lernprozesses.
„Ja aber…“ ist im Design Thinking nicht erlaubt.

5. Flexible, offene Raumkonzepte, die Kommunikation, Offenheit und Kreativität fördern, sind wichtige Voraussetzungen für das Gelingen und sind genauso zu gestalten wie der Ablauf.