Zentrale Begriffe

Auf dieser Seite erläutere ich zentrale Begriffe meiner Arbeit. Sie beschreiben typische Muster, Risiken und Gestaltungsräume im Offboarding – insbesondere im Übergang in den Ruhestand.

Off-Feier

Eine Off-Feier ist eine ritualisierte Abschiedsfeier, die den notwendigen Übergangsprozess ersetzt statt ihn zu gestalten.

Eine Off-Feier liegt vor, wenn

  • der Abschied auf ein einzelnes Ereignis (Feier, Rede, Geschenk) verkürzt wird

  • Rollen, Verantwortung und Wissen nicht bewusst übergeben werden

  • Beziehung nicht geklärt, sondern symbolisch überdeckt wird

  • die Organisation sich durch das Ritual entlastet

  • die betroffene Person mit offenen Fragen in den Ruhestand gehen

Nicht jede Abschiedsfeier ist eine Off-Feier. Zur Off-Feier wird sie dort, wo das Ritual den Übergang ersetzt.

Lesen Sie weiter unter:
Aktuelles: Off-Feier – wenn Abschiede gut gemeint und schlecht gemacht sind


https://www.pe-gassmann.de/off-feier/

Exitgespräche

Ein Exitgespräch ist ein strukturiertes Reflexionsgespräch zum Ende eines Arbeitsverhältnisses, das Erfahrungen, Gründe des Abschieds und Lernimpulse für die Organisation erfasst.

Das Exitgespräch dient in erster Linie der Organisationsperspektive:

  • Welche Erfahrungen wurden gemacht?

  • Welche strukturellen Muster zeigen sich?

  • Wo besteht Veränderungsbedarf?

Es ist ein Instrument der Qualitätsentwicklung und folgt meist einem vorgegebenen Rahmen oder Leitfaden.

Grenze des Exitgesprächs

Exitgespräche analysieren Abschiede – sie gestalten sie nicht.

Gerade im Übergang in den Ruhestand bleiben:

  • biografische Bedeutung,

  • emotionale Klärung,

  • Beziehungsgeschichte
    weitgehend außen vor.

Würdezentriertes Gespräch

Ein würdezentriertes Gespräch ist ein bewusst gestaltetes Abschiedsgespräch, das die Person, ihre Lebensarbeitsleistung und ihren Übergang in eine neue Lebensphase in den Mittelpunkt stellt.

Das würdezentrierte Gespräch dient der Person und der Beziehung:

  • Anerkennung der Lebensarbeitsleistung

  • Würdigung von Engagement, Loyalität und Wirkung

  • Klärung von Beziehung, Dank und offenen Themen

  • bewusster Übergang in den Ruhestand

Es folgt keiner Checkliste, sondern einer Haltung von Präsenz, Respekt und Zeit.

Der Zusammenhang beider Gespräche

 

Exitgespräch und würdezentriertes Gespräch erfüllen unterschiedliche, sich ergänzende Funktionen.

  • Das Exitgespräch fragt:
    Was lernen wir als Organisation aus diesem Abschied?

  • Das würdezentrierte Gespräch fragt:
    Was braucht dieser Mensch, um gut gehen zu können?

Beide Gespräche sind wichtig – aber nicht austauschbar. Gerade im Übergang in den Ruhestand hat sich folgende Reihenfolge bewährt:

  1. Würdezentriertes Gespräch

    → Klärung von Beziehung, Anerkennung, Loslassen

  2. Exitgespräch (optional und klar gerahmt)

    → Rückmeldung für die Organisation

    Wird diese Reihenfolge vertauscht, entsteht leicht das Gefühl, bewertet zu werden, statt gewürdigt.

Exitgespräche dienen der Organisation. Würdezentrierte Gespräche dienen dem Menschen.

 

Ein verantwortungsvoller Offboarding-Prozess erkennt den Unterschied – und gibt beiden Gesprächen ihren Platz.